Mittwoch, 26. Februar 2014

Kartoffelfarm II

5:50 Uhr stand ich wieder an gewohnter Stelle und wartete auf den Startschuss. Heute stand "Packing" auf dem Aktionsplan. Was dies bedeutet war mir bis dahin unklar. Ich wusste nur das es auf die selbe Farm gehen sollte.
In aller Eile hatte ich mir ein Sandwich reingezwängt um nicht nüchtern arbeiten zu müssen. Um kurz nach 5 Uhr morgens eine echte Herausforderung und wohl der erste Fehler des Tages. Zur Abfahrtszeit suchte der Hostelbesitzer ein Fahrer bzw. Fahrerin aus. Gerade den Führerschein bekommen, noch nie links gefahren und eine FRAU! Gesunde Mischung würde ich meinen. Schon nach den ersten hundert Metern einmal über rot gefahren und einmal die Vorfahrt genommen. Dazu noch konstant mindestens 20 kmh zu schnell ... aber ich habs überlebt.
Auf der Farm angekommen ging es direkt zum "Shed", einer großen Arbeitshalle. Neben allerlei Lagergut steht hier auch der Kartoffelsortierer. Die geernteten Kartoffeln werden hineingeschüttet und gewaschen. Danach werden diese über ein Förderband auf ein überdimensionalen Drehteller befördert. Und genau hier fängt der Job der Backpacker an. In jeder Ladung Kartoffeln befinden sich unterschiedliche Größen (Small, Medium 2-5 & Large) die auseinander sortiert werden müssen. Nachdem Wurzelwerk und Spitzen abgeschnitten sind werden die einzelnen Größen in Kartons gestapelt. Ein wenig nach Größe und Farbe sortieren? Das hab ich mit Legos schon hinbekommen und bei Kartoffeln ist das auch nix anderes. Am Arsch die Räuber! Zielstrebig lief ich auf die Einweiserin zu und erwartete eine Einweisung in die Kartoffelgrößen. Stattdessen verwies sie mich an einen der Söhne der mir recht wortkarg "alles ausführlich erklärte". Übersetzt vllt soetwas wie: Karton voll! Deckel! Größe! Palette! Ich war etwas überrascht und verwundert. Nicht wegen der Erklärung sondern vielmehr über meine Aufgabe. "Go ahead", wurde ich aus meinen Gedanken gerissen. Die Beschreibung bot viele versteckte Hürden, z.B. wann ist eine Kiste. Man könnte meinen wenn der Rand erreicht ist oder nichts mehr reinpasst aber nein! Durch den Transport verliert die Kartoffel Wasser und damit Gewicht und deswegen wird die Kiste übermäßig voll gepackt. Hinzu kommt das jede Kiste ungefähr gleich voll sein muss, denn sonst fällt die Palette um. All das und noch viel mehr war in der Einweisung, die nicht mal 30 Sekunden dauerte,
nicht enthalten. In Deutschland hätte dies sicher mindestens eine Woche gedauert, hunderte von Euro gekostet und man hätten eine Urkunde bekommen.
Aber warum haben 5 Backpacker den Job an der Sortieranlage und ich den Job mit den Kisten? Ganz einfach ich bin ein Mann und offenbar ist jeder Mann in Australien automatisch ein Superman. Mindestens zwei Meter groß, athletisch und Muskeln aus Stahl ...
Sobald ein Karton voll genug ist, ist es meine Aufgabe diesen mit einen Deckel zu verschließen und zur Palette zubringen. Vorher muss allerdings noch die Größe und die Sorte markiert werden. Hierzu gibt es vorgefertigte Kästchen auf dem Deckel, welche angekreuzt werden müssen. An der Palette angekommen werden die Kisten jeweils in 6 Etagen gestapelt, pro Etage 8 Kartons. Rein rechnerisch also 48 Kartons pro Palette.
Ein Wettlauf begann ... oder besser ein Marathon. Sobald ein Karton abgestellt war war schon der Nächste oder Übernächste voll. Immer wieder verschloss, markierte und transportierte ich die Kartons ohne Chance auf ein Sieg. Stunde um Stunde rannte ich zwischen den Sortierern, die eher gelangweilt auf einem Fleck standen, hin und her. Meine Arme wurden immer länger und als es nach 7 Stunden endlich Feierabend hieß, reichten diese fast bis zum Boden.

Tagesleistung:
- 18,5 Paletten beladen
- 880 Kartons geschleppt
- Tonnen bewegt

Kartoffelwaschanlage




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