Mittwoch, 12. Februar 2014

What the fuck - im Puff Wwoofen

Nachdem wir die aussichtslose Lage auf dem Backpackerjobmarkt eingesehen haben, konzentrierten wir uns auf eine schnelle Weiterreisen. Die letzten Tage genossen wir in verschiedensten Museen, Ausstellungen oder Parks der Stadt. Heute morgen war es endlich soweit, Abreisetag. Ohne Probleme ging es weiter nach Norden und unser Ziel rückte schnell näher, viel zu schnell. Keine 15 Minuten nach unserem Mittagessen hatten wir unser Ziel erreicht. Vor uns lag ein Grundstück, welches komplett mit einem hohen Zaun umzäunt ist. Das passt dachte ich. Wir waren 30 Minuten zu früh und so warteten wir etwas ab.

Zwei Tage zuvor hatten wir mein Wwoofing-Buch in den Händen und versucht das nächste Highlight zu finden. Und das haben wir, mit Abstand! Die erste Adresse war ein buddhistischer Tempel, welcher für einen Monat freiwillige aufnimmt. Ein Monat als Mönch? Jepii! Leider waren die Anforderungen zu hoch und so kamen wir zu den Alternativadressen. Bed & Breakfast mit großem Grundstück, das klang vertraut und so rief Micha gleich an. Ich war erstaunt als das Gespräch plötzlich auf bayrisch geführt wurde. Micha in ihrem Element und ab da nicht mehr abzubringen. Später erzählte sie mir allerdings noch eine Besonderheit. Das Bed & Breakfast ist kein normales, sondern ist für Nudisten. Für alle die das Wort nicht kennen - das sind Menschen die keine Kleidung mögen und sich daher nackt zeigen.

Auf der Fahrt zum Ziel wurde natürlich jeder Witz gerissen den man sich vorstellen kann. Er begrüßt uns vollkommen nackt oder wir müssen nackt arbeiten ... Bloß nicht pupatär wirken, nicht lachen und ganz wichtig, egal was passiert nur in die Augen schauen!

Wir stellten also unser Auto ab und gingen in das Hauptgebäude. Ein Mann im Rentenalter begrüßte uns und stellte sich als Rainer vor, der Besitzer. Natürlich war er nackt. Ist das ein Test? Ich mein man lernt gerade sein Chef kennen und der ist nackt. Nunja nach den üblichen Geplänkel gab es eine Führung über das Grundstück, danach verschwand er für Stunden in seinem Zimmer. Er braucht jetzt erstmal eine Pause ... Er hat uns gerade das Grundstück und die Zimmer gezeigt und lässt uns jetzt alleine hier sitzen? Vielleicht ist das immer der Moment für Backpacker um zu überlegen ob sie schreiend wegrennen sollen. Warum? Der Rundgang begann auf der Sonnenterrasse mit Blick über das ganze Grundstück. Da dachte ich noch "schicker Ausblick". Weiter ging es mit dem Garten, welcher ein wenig verwildert war. "Ne Menge Arbeit" dachte ich ergänzend. Mit "What the fuck" endete der Rundgang. Wir betraten die "Liebesgrotte" mit Chakuzi und einer Massageliege. Direkt von der Liebesgrotte ging es in unser Zimmer. Ist das ein Zeichen? Zwei Betten, überall Spiegel an den Wänden und dazu selbstgemalte Bilder von nackten Frauen. Gekrönt wurde dies nur von der Beleuchtung, Rotlicht (es gibt auch kein normales Licht)! Wo zum Teufel sind wir hier gelandet? Das ist kein Nude Retreat sondern ein Puff ohne Nutten und zwar ein wirklich kitschiger. Im ersten Moment waren wir etwas geschockt. Auf der Sonnenterrasse überlegten wir ob wir bleiben oder flüchten sollen.
Nach einiger Zeit kam Rainer zurück und verteilte die ersten Aufgaben. Für mich hieß das Grundstück aufräumen. Australier verstehen darunter alles unnütze auf ein Haufen und anzünden. Endlich mal eine Aufgabe nach meinem Geschmack. Alte Akten, Holzreste, Müll oder Palmenblätter wanderten auf den Haufen und branten lichterloh ab. Immer wieder holte ich neue Palmenblätter die überall herumlagen. Diese sind gute 4-5 Meter lang und knochentrocken. Bei 32 Grad ein Feuer machen ist wie als ob man im Sommer die Heizung anwirft und so war ich froh das es essen gab. Am Esstisch wurden wir wieder erneut daran erinnert das wir an einem "Besonderen Ort" sind. Die Gäste speisen üblicherweise mit dem Besitzer und so fanden wir uns am Esstisch wieder, mit nackten. Als ob das noch nicht genug wäre gab es Bettgeschichten, Frauenfeindliches oder Berichte über z.B. Swingerpartys.



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