Mittwoch, 26. März 2014

Georgi ist tot!

Die beiden Polizisten steigen aus dem Wagen aus und mustern uns gründlich. Mir kommt es so vor, als ob sie dieses schon mehrfach erlebt hätten. Mit einem freundlichen "How are you going" werden wir begrüßt. Was ist das denn für eine Frage? Wie soll es in so einer Situation schon gehen? Fast schon misstrauisch blicken sie Georgi an und fangen an zu lachen. Erst als sie hören wie weit wir mit Georgi schon gefahren sind verhallt das Gelächter. 15000 Kilometer auf Teer-, Schotter- und 4WD-Straßen, über Berge und durch Flüsse ... Das ist nicht nur ein Auto sondern auch mein Zuhause! Der Abschied fällt mir dementsprechend schwer. Langsam fahre ich mit der Hand über das Heck von Georgi. Was für ein Ende ...
Kaputte Autos lässt man hier einfach stehen, mit der Zeit bleibt durch Plünderer oft nichts mehr übrig. So viel wir tragen können nehmen wir mit, der Rest bleibt zurück. Lebensmittel, warme Kleidung, Karten und Campingausrüstung ... viel zu unhandlich. Wir steigen ein und es geht zurück in Richtung Zivilisation.

Nach dem Aufstehen sollte es früh weiter gehen. Knapp 800 Kilometer standen auf dem Tagesplan - nach Alice Springs. Schon nach wenigen Kilometern der erste Stop. Das Geräusch von gestern ist wieder da! Am Anfang nur ein leises schleifen, mit der Zeit ein leises quietschen. Etwas Öl und Wasser nachgegossen und weiter geht's. In regelmäßigen Abständen taucht das Geräusch auf. Nach kurzer Zeit dann ein Knack und das Geräusch ist verschwunden. Vielleicht war das nur ein Steinchen irgendwo am Reifen. 20 Kilometer geht alles gut bis das Geräusch plötzlich wieder da ist, nur wesentlich lauter und bedrohlicher. Bei einem Stop ist nichts zu erkennen, allerdings zu lokalisieren - der rechte Vorderreifen. Was nun? 90 Kilometer zurück zu einer Tankstelle ohne Werkstatt oder 120 Kilometer weiter in die nächste Stadt? Dazwischen ist Nichts, nicht mal Handyempfang. Immer wieder jonglier ich mit Geschwindigkeit und Entfernung. Fahren wir 10 km/h brauchen wir 12 Stunden, bei 20 km/h 6 usw. Es geht nach Tennant Creek welches mehr Möglichkeiten bietet.
Irgendwann entschließen wir uns das Geräusch zu ignorieren, zumindest bis zu einer gewissen Lautstärke. Mit 40 km/h tuckern wir mit Warnblinker dahin. Mit der Zeit werde ich immer zuversichtlicher als plötzlich ein Knall das Auto erschüttert. Mit einem Ruck wird das Lenkrad herum gerissen und ich kann gerade noch rechtzeitig bremsen.

Mit 140 km/h rasten wir über den Highway. Nachdem wir knapp zwei Stunden im Auto auf Hilfe gewartet hatten waren wir froh, dass es endlich weiter ging. Es ist wirklich ein scheiß Gefühl einsam im Outback zu stehen und Hilfe ist kilometerweit entfernt.
Während unserer Wartezeit hatten uns unzählige Autos gesehen, sind aber nicht angehalten. Ausgerechnet die Fahrzeuge die Platz hatten und Hilfe anboten, fuhren in die falsche Richtung. So wurde die Suche nach Hilfe zur Geduldsprobe. Alle halbe Stunde ein Auto und dazwischen unzählige Roadtrains die eh nicht anhalten.

Mehrfach versuchte ich durch hin und her manövrieren die Vorderreifen frei zu bekommen. Ein ratterndes und quietschendes Geräusch signalisierte allerdings die niederschmetternde Einsicht: Das wars!

Wie oft hatte ich in der Theorie an so einen Moment gedacht, uns darauf vorbereitet und gehofft das es nicht uns trifft. Daher hatten wir Vorräte für knapp eine Woche dabei und konnten beruhigt abwarten. Hauptsache gesund!

Das wir von der Polizei abgeholt wurden ist eher Glück, denn normalerweise hilft die Polizei nur im Notfall. Mit der Aussage wir hätten kein Wasser wurden wir praktisch zu einem Notfall. Allerdings hätte man mit unseren Wasservorräten ein halbes Stadion versorgen können und das diese Aussage nicht stimmte muss ja niemand wissen ...

In einem abgelegenen Industriegebiet wurden wir abgesetzt. Der einzige Abschleppdienste auf 300 Kilometern, der hat bestimmt Sonderpreise. Mit unseren Sachen ging es in ein kleines Büro wo der Moment der Momente kam. Wie viel kostet das Abschleppen? Eifrig tippte er auf seinem Rechner Zahlen ein, schaut prüfend auf die Googlemaps-Karte und präsentiert uns das Ergebnis - 360 $ + Reparatur. Ein Glück das wir nicht zurück nach Barkleys Homestead zurück gefahren sind, das wären 1100 $ gewesen ...


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