Samstag, 8. März 2014

Mon Repos

Langsam wird es dunkel und voller. Die ersten Leute bestellen am Imbiss Essen und es wirkt fast wie zu Halloween. Geraschel im Gebüsch und das leuchten von all den kleinen Taschenlampen der Leute. Eine lange Schlange bildet sich vor dem Eingang und die ersten Mücken setzen zum Sturzflug an. Ein Glück tragen wir lange Sachen, das erste mal seit knapp 5 Monaten wieder Jeans und Jumper.
Um 19 Uhr ist es endlich soweit - Einlass. Im dunklen tasten wir uns immer weiter vor bis der Moment der Momente kommt. Gruppe 4, welche Enttäuschung. Eine Woche im vorraus gebucht und doch die vorletzte Gruppe der Nacht. Während wir uns noch ein Plätzchen für die Wartezeit suchen wird die erste Gruppe zusammen gerufen. Wie gern würde ich jetzt jemanden ins Gebüsch zerren, ihn Ko hauen und sein Gruppensticker klauen ... Stattdessen heißt es warten, wie ca. 250 weitere Leute. Ein ganzes Amphitheater voll wartet auf den nächsten Aufruf. Auf einer Leinwand werden verschiedene Filme über das Leben und die Reise von Schildkröten gezeigt. Bis der Film angehalten wird und Gruppe 2 zum Sammelpunk beordert wird. Ein erleichtertes Raunen geht durch die versammelte Menge und eilig springen unzählige Menschen von ihren Plätzen. Ich will auch! Stattdessen gibt es nur mitleidige Blicke ... Der Film wird fortgesetzt und es heißt weiter warten. Nur wenige Augenblicke später kommt der Aufruf für Gruppe 3. Haben wir heute etwa doch noch Glück? Hoffnung macht sich breit. Eilig checke ich nochmals meine Kamera:
Akku - voll!
Linse - sauber!
Speicher - jede Menge!

Eine halbe Ewigkeit später sind zwei weitere Filme zuende und die ersten Leute werden unruhig. Familien verlassen mit ihren schlafenden Kindern das Amphitheater und fahren heim. Kurz nach 22 Uhr ist kaum noch jemand da und auch bei mir schwindet die Hoffnung. Bleiben oder aufgeben?
Kurz vor 23 Uhr dann die Erlösung! Eilig raffen wir unsere Sachen zusammen und stolpern fast über ein schlafendes Pärchen. Gleich zum Anfang der Einweisung nimmt man uns die Vorfreude. Wir sind zu spät und es wird nur eine Notlösung geben. Naja besser als mit Nichts nach Hause zu gehen ...
Ab jetzt keine Kameras oder andere Lichtquellen! In vollkommener Dunkelheit tasten wir uns über ein Holzsteg. Immer lauter wird das donnern der Wellen. Ein kräftiger Wind weht in regelmäßigen Abständen Gischtfontainen in unsere Richtung. Nur langsam gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit. Nach einer weiteren Einweisung geht es einige hundert Meter über den Strand bis wir vor zwei Rangern stoppen. Eine ist gerade damit beschäftigt ein Loch zu graben, die Andere hält schützend eine Hand über etwas am Boden. Das Licht einer Taschenlampe die Umgebung beleuchtet entdecke ich unzählige Eierschalen am Boden. Sorgsam gräbt die Rangerin weiter im Sand um weitere Eier zu finden. Stück für Stück reiht sie nicht geschlüpfte Eier nebeneinander, daneben ein Berg leerer Eierschalen. Die Überraschung befindet sich in der Hand der anderen Rangerin - eine Babyschildkröte! Erst jetzt gibt es die Freigabe für die Benutzung von Kamera und Blitz. Ein Blitzlichtgewitter bricht über uns herein als die Schildkröte jedem gezeigt wird. Nur mit zwei Fingern hält die Rangerin die Schildkröte am Panzer. Eifrig rudert diese mit den überdimensionalen Beinchen in der Luft um sich zu befreien. Und dann kommt DER Moment! Die Schildkröte in MEINER Hand! Keine 10 cm groß, weder warm noch kalt und dazwischen ein rauer harter Panzer. Mit einer unglaublichen Kraft versucht sie sich immer wieder von meiner Hand abzustoßen. Viel zu schnell ist der Moment auch schon wieder vorbei. Und so begleite ich die Schildkröte durch die Menschenmenge um weitere Fotos und Augenblicke zu erhaschen. Doch am Ende bleibt nur der Abschied. Die kleine Schildkröte wird einige Meter vom Meer auf den Boden gesetzt, umringt von uns Menschen. Mit einer Taschenlampe simuliert die Rangerin das Mondlicht und so folgt die kleine dem Lichtkegel. Selbst ein Wechsel der Richtung macht die kleine nicht misstrauisch. Unaufhaltsam folgt sie dem Licht in die Brandung, bis das Wasser sie umspült. Immer wieder wird sie zurück an den Strand gespült. Immer wieder rennt sie in die Wellen bis sie es schließlich schafft in der Dunkelheit zu verschwinden.
Eine unglaubliche Reise steht vor der kleinen. Von der Küste Australiens geht es ins offene Meer. Durch Meeresströhmungen gelangt sie bis nach Südamerika. Erst erwachsen kommt sie zurück nach Australien um Nachwuchs am selben Strand abzulegen. Wenn nichts passiert in ca. 30 Jahren. Gute Reise!

Nur durch Glück konnten wir an diesen Abend diese ganz besonderen Momente erleben. Bis mitte März ist dieses noch möglich. Leider ist das System der Gruppen extrem unfair. Wer nicht Wochen oder Monate im voraus bucht landet in den letzten Gruppen. Die ersten bleiben über Stunden am Strand. Da jeweils nur eine Gruppe am Strand sein darf müssten also 5 Nester schlüpfen. Am Ende der Saison sehr unwahrscheinlich! Trotzdem werden pro Abend 300 Tickets verkauft. Mein Tipp:
- früh buchen
- als erster in die Schlange stellen (die ersten der jeweiligen Gruppen können mit Glück in eine frühere Gruppe wechseln)








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