Dienstag, 11. März 2014

Schlangen

Seitdem ich Micha kenne und wir gemeinsam reisen, heißt es immer wieder: "Ich will noch eine Schlange sehen". Aber manchmal spricht man Wünsche viel zu schnell aus ohne darüber nachzudenken was man sich da wünscht. Und so kamen wir durch diesen einen Wunsch in die gefährlichste und dramatischste
Situation der gesamten Reise ...

Gleich mit den ersten Sonnenstrahlen standen wir vor dem Visitorcenter und starteten unsere Wanderung. Gut ausgerüstet mit viel Wasser und jede Menge energiereicher Nahrung (Kekse, Weingummi und Cola) ging an die erste Flussüberquerung. Ein breiter Bachlauf versperrte unseren Weg. Keine Brücke weit und breit und so hüpften wir von Stein zu Stein über den Fluss.
Für den heutigen Tag hatten wir uns kein genaues Ziel gesteckt und das mussten wir auch garnicht. Die Carnarvon Schlucht ist ca. 15 Kilometer lang und bietet alle 2-3 Kilometer kleine Highlights. An der Öffnung der Schlucht, beim Visitorcenter, ist sie mit gut 500 Metern am breitesten und wird mit jedem Kilometer schmaler. Der einzige Nachteil ist, dass der Hinweg gleichzeitig auch der Rückweg ist.

Schon nach kurzer Zeit erreichten wir die erste Highlights des Canyons (unten näher beschrieben). Mit jedem Kilometer wurde die Schlucht schmaler und der Weg schlängelte sich mit dem Fluss durch das Tal. Gut ein Dutzend mal wechselten dieser die Uferseite und jedesmal wurde die Überquerung abenteuerlicher. Erst nach der Art Gallery wurde der Weg wirklich schlecht. Ein kleiner Trampelpfad führte ab hier durch hohes Gras, welches den Weg fast vollkommen überwucherte. Im späteren Verlauf fehlten Wegmarkierungen und auch an Flussüberquerungen fehlten die gewohnten "Steinbrücken". Nach knapp 4 Stunden trafen wir hier die ersten Menschen im Canyon und diesr hatten die ersten schlechten Nachrichten - Schlangen! Echsen hatten wir zu hauf gesehen aber Schlangen? Als ob uns eine höhere Macht uns eine Bestätigung liefern wollte sahen wir keine 500 Meter entfernt die erste Schlange. Eine kleine Baumschlange, kein Meter lang und ungiftig. Es gibt sie hier also wirklich und so hielt ich an der ersten Position noch genauer Ausschau. Garnicht so einfach bei dem Weguntergrund und so passierte fast das, was nie passieren darf. Eine riesige Brownsnake, mehr als 2 Meter lang, lag am Weg. Nur das letzte Stück Schwarz lag zwischen den toten Palmenblattern und zog sich in letzten Moment aus dem Weg. Keine Sekunde später landete mein Fuß an genau der Stelle an der der Schwanz gerade noch lag. Automatisch schreckte ich zurück und schmiss Micha dabei fast um aber selbst das wäre im Ernstfall viel zu langsam gewesen. Ein versehentlicher Tritt auf die Schlange und ein Biss wäre die Folge. Erst jetzt wurde mir bewusst das das hier ein Todesurteil gleich kommt. 10 Kilometer aus dem Canyon, 150 Kilometer zum nächsten Örtchen und noch viel weiter bis zum nächsten Krankenhaus.
Bei Cola & Weingummis verlauten wir den erlittenen Schock. Wesentlich vorsichtiger als zuvor ging es weiter in Richtung Ende der Schlucht. Nach einer weiteren halben Stunde erreichten wir "Boowinda Gorge", eine Nebenschlucht. Ab hier gibt es kein Weg mehr, nur noch steinigen Untergrund. Immer weiter dringen wir in die Schlucht vor. Über Jahrtausende hat ein kleiner Bach die Schlucht in den Berg gegraben. Auch heutzutage scheint im laufe des Jahres noch Wasser hindurch zu fließen. Teilweise weniger als 2 Meter breit führt sie uns weiter und weiter in den Berg. Wie eine Schlange windet sie sich mal rechts mal links. Apropos Schlangen, denk ich mir, für diese istbdas hier ideal zum Jagen. Warme Steine, kaum Fluchtmöglichkeiten und Mittagssonne ... was braucht eine Schlange mehr? Sorgsam such ich Meter um Meter des steinigen Untergrundes ab und taste mich weiter vor. Ich schrecke herum als Micha ein abgewürgten Schrei von sich gibt, ängstlich und panisch. Vor ihr eine Schlange, etwas über einen Meter lang. Automatisch weicht Micha ein Schritt zurück, hält ihre Hände verkrampft auf Kopfhöhe. Aber statt zu flüchten geht die Schlange zum Angriff über. Ruckartig schnellt sie vor und ich seh mich gedanklich durch den Canyon rennen ...

Holt man Hilfe oder bleibt man an der Seite sitzen und wartet auf das Ende? Hilfe holen die zu spät kommen würde und jemanden alleine sterben lassen? Oder zusammen die letzten Momente verbringen, beruhigend beistehen aber es nicht versucht zu haben?

Warum hab ich sie nicht gesehen? Hab ich sie zwischen den Steinen nicht gesehen und sie beim passieren mit einem Stein eingeklemmt? Sie ist braun und die Steine fast weiß! Warum hab ich sie nicht gesehen? Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf ... und Micha? Micha tat instinktiv das richtige ... Ängstlich und panisch stand sie wie angewurzelt still da und rührte sich nicht. Die Schlange machte direkt vor ihr halt. Man kann aber nicht mal mehr von VOR ihr reden. Sie lag jetzt DIREKT auf ihren Füßen, schaute und war in der nächsten Sekunde verschwunden. Direkt an der Wand der Schlucht schlängelte sich davon, begleitet von einem konstanten rascheln. Erst Sekunden später reagierte Micha wieder: "Ich will hier weg!" Das brauchte sie mir kein zweites Mal sagen. Dicht hintereinander gingen wir langsam Richtung Ausgang als ich plötzlich eine weitere Schlange erblickte. Auch sie hatte mich gesehen, stoppte sofort und drehte sich zu mir um. Sekundenlang musterte sie mich und entschied sich doch gegen den Angriff. Bloß weg hier! Spätestens jetzt hörten wir Gespensterschlangen unter jedem Stein. Als ob die beiden Schlangen nicht schon genug wären, schlängelte sich eine weitere davon. Drei Schlangen auf nicht mal 50 Metern überzeugten uns zum Abbruch der Wanderung. Den gesamten Rückweg über trampelten wir unseren Weg schlangenfrei und erblickten zum Glück auch keine weiteren.




Moss Garden
Eine kleine Nebenschlucht mit üppiger Regenwaldvegetation. Durch eine wasserführende Schicht im Gestein wachsen überall Pflanzen. Selbst an den Wänden der Schlucht hat sich ein grüner Teppich angesiedelt. Insgesamt ganz nett aber es ging besser.


Amphitheater
Durch ein Metallsteeg gelangt man zu eine vielleicht 2 Meter breiten Spalte im Gestein. Diese führt wie ein kleiner Tunnel durch den Berg. Am Ende öffnet sich der Berg zu einer Art offenen Höhle. Meterhohe Felswände fallen fast senkrecht ab und ermöglichen ein Blick in den Himmel.




Art Galery
Einer DER Highlights des Canyons. Über mehrere Meter haben Ureinwohner über Jahrtausende Malereien hinterlassen. Handabdrücke, Bumerangs oder Linienraster sind deutlich an den Wänden erkennbar.


Wards Canyon
Über ein kleinen Anstieg erreicht man eine Schlucht durch die ein kleines Bächlein verläuft. Am Ende der Schlucht befindet sich ein kleiner Wasserfall.


Cathedral Cave
Eine lange Felsenwand mit unterschiedlichen Wandmalereien.


Boowinda Gorge
Ein langer schmaler Canyon mit steinigen Untergrund. Spätestens hier wird festes Schuhwerk und lange Kleidung benötigt (Schlangen).




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