Montag, 7. April 2014

Gemüsefarm Teil I - Fang den Kohl

Kaum hatten wir eingecheckt stand unser Name schon auf der Arbeitsliste für den nächsten Tag. Mit Georgi und zwei weiteren Mitstreitern ging es zu einer knapp 60 Kilometer entfernten Gemüsefarm. Zur angegebenen Zeit standen wir verloren mitten zwischen den Gemüsefeldern aber keiner holte uns ab. Nach einem Telefonat wurde klar, das Hostel hat mir eine falsche Adresse genannt.

Wenige Augenblicke später standen wir vor einer riesigen Lagerhalle in dem gerade ein XXL-Truck beladen wurde. Für uns hieß es erstmal Gummistiefel und wasserdichte Hosen anziehen. Natürlich konnte uns zuvor niemand sagen was heute auf dem Tagesplan stand und so erwarteten wir neugierig auf unsere Aufgaben.

Die Arbeiterklasse reist natürlich an der frischen Luft hinten auf dem Anhänger ... Langsam näherten wir uns den endlosem Grün auf dem Feld. Aus der Ferne versuchte ich die einzelnen Gemüsesorten zu identifizieren. Diese wurden in schmalen Reihen dicht nebeneinander gepflanzt und ergaben eine Art grünen Gemüseregenbogen.


Schnell wurde klar das es sich um Kohl handeln muss. Grünkohl-, Weißkohl-, sogar Rotkohlpflanzungen lagen rechts und links von uns. Mit einem Ruck stand unser Gespann still und wir bekamen erste Order. Wie üblich keine großen Erklärungen, einfach machen. Die drei Söhne vom Farmbesitzer kamen uns mit großen machetenartigen Messern entgegen und fingen an den Kohl von der Wurzel zu trennen. Einmal gekippt und mit ein bis zwei Schlägen war die Wurzel ab. Man sah sofort das die drei wohl jahrelange Erfahrung hatten. Ich selbst hätte mit dem ersten Schlag die Wurzel und mit dem zweiten sicher meine Hand getroffen ... "Alles schon passiert", ließ mich einer der drei wissen.




Kennt ihr das Spiel mit dem Medizinball aus dem Schulsport? Das ewige Hin- und Herwerfen des schwerden Balls? Ich habe mich damals ständig gefragt wozu dieses dienen soll, was mir das in der Zukunft bringt. Und scheiße es stimmt: In der Schule lernt man für die Zukunft!

Sobald der Kohl von der Wurzel befreit wurde, war es unsere Aufgabe diesen im "Empfang" zu nehmen und an unseren Nebenmann "weiterzugeben". Am Ende dieses menschlichen Förderbandes war der Wurf auf den Anhänger, auf dem der dritte unseres Backpackerteams stand und die Kohlköpfe in große Holzboxen stapelte. Man muss dazu sagen, dass die Abstände zwischen uns mehrere Meter betrugen haben und die Kohlköpfe bis zu 8 Kilo schwer waren.

Mit der Zeit entstand ein lustiges Werf- bzw. Fangspiel mit den Kohlköpfen. Im Sekundentakt flogen diese auf den Anhänger und wurden hier zu hunderten gestapelt. Mit jeder Traktorladung wurde die Arbeit anstrengender, die Arme immer länger und die Würfe immer schlechter (besonders die von meinem Wurfpartner). Regelmäßig flogen mir die Kohlköpfe um die Ohren bzw. auf die Füße oder gegen die Schulter. Das gute ist, dass die einzelnen Kohlsorten unterschiedlich schwer zu schneiden, fangen oder stapeln sind.



Das beste an der Arbeit ist allerdings der Feierabend. Zusätzlich zu einer recht ordentlichen Bezahlung gab es noch ein Karton voller Brokkoli und Blumenkohl dazu.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen