Sonntag, 20. Juli 2014

Der lange Weg der Kartoffel I

Nach knapp 6 Wochen war es endlich soweit! Ein lautes klopfen an der Tür ließ mich aufschrecken. Sam betrat den Raum und überreichte mir wortlos ein dicken Stapel an Dokumente. Ein halbes Buch um genau zu sein. Arbeitsvertrag, diverse Belehrungen, Steuerform, Fragebögen, Übergabeprotokolle ... Offenbar muss ich erst in den Papierkrieg ziehen, bevor es in den Kartoffelkrieg geht! Erst nach über einer Stunde war ich mit dem Papierkram fertig und bereitete mich auf den nächsten Tag vor. Treffpunkt und Abfahrt 7 Uhr am nächsten Morgen.

Bereits in Bundaberg (Teil II) konnte ich ein kleinen Einblick in das australische Kartoffelbusiness erhaschen. Dementsprechend hatte ich eine vage Vorstellung was mich erwarten wird, zumindest dachte ich dies ...

Pünktlich um 7 Uhr stand ich am Treffpunkt und wartete auf meine vier "Mitstreiter". Ich wartete ... und wartete ... und wartete. Niemand kam und erst 15 Minuten später (auf dem Weg zum Auto) erfuhr ich, dass sich alle vier gegen den "Knebelvertrag" entschieden. Klug wenn man kein Geld braucht und seine 88 Tage nicht sammelt. Ich hingegen war voller Neugier und hatte zwei Monate Zeit ...

Auf dem Gelände angekommen, ging es nach einer kurzen Begrüßung in ein gläsernen Besprechungsraum. Dicke Glotze an der Wand, Klimaanlage an der Decke und welch eine Überraschung! Noch mehr Papierkram. Am Ende des Tages hatte ich wohl jedes einzelne Körperteil an die Firma überschrieben und dazu noch drei Elektrogeräte gekauft ... Spätestens als die Personaltante (wohl der unzuverlässigste Mensch auf Erden) ein Film startete und wortlos mit den Unterlagen verschwand, ging der Tag in meine persönliche Bestenliste ein: Platz 1 für den sonderbarsten ersten Tag in einem neuen Unternehmen.

Ein bis zwei Stunden schaute ich mir diverse Firmenvideos an. Arbeitssicherheit, Verhaltensregeln, Brandschutz, Sirenentöne, Dont-do's, Firmenpropaganda ... Effiziente uneffizients in Filmformat, lediglich unterbrochen durch den Wechsel des Filmes durch die Personaltante. Pünktlich auf die Sekunde betrat sie den Raum, versorgte mich mit neuen Unterlagen, startete ein neuen Film und verschwand wieder. Ganze vier Versuche brauchte sie um mein Namen "richtig" zu schreiben, gab es schließlich auf und überschrieb ihn mit Edding - wieder falsch!

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