Donnerstag, 31. Juli 2014

Der lange Weg der Kartoffel IV

Zielstrebig lief ich in die Gemüseabteilung von einem der großen Supermarktketten Australiens. Kaum zu verfehlen, der Aufsteller mit den Carisma-Kartoffeln. Ohne lange zu suchen entdeckten ich meine Markierung am unteren Beutelrand. Diesen und knapp 1/3 der restlichen Beutel habe ich vor wenigen Tagen für den Abtransport gepackt. Unglaublich viel Arbeit und niemand kennt die Geschichten, welche mit im Kartoffelsack stecken ...


Früh morgens erreichen große Trucks die Kartoffelfabrik und geben ihre kostbare Fracht preis - KARTOFFELN. In 8 - 10 riesigen Transportkisten lagern jeweils ca. 4 Tonnen Kartoffeln (pro Truck). Wohl unbemerkt von den unzähligen Mitarbeitern in der Fabrik werden die einzelnen Transportkisten in die riesige Arbeitshalle gebracht.


Der erste Arbeitsschritt ist das reinigen der Kartoffeln. Neben Kartoffeln befindõen sich kleine Steine, Pflanzenreste und jede Menge Erde in den Transportbehältern. Ein riesiger Gabelstapler bringt die Kiste zu einer gigantischen Waschmaschine (15 - 20 Meter lang) und stellt sie in eine Kippvorrichtung. Mit jeder Menge Wasser und Chemikalien wird aus dem Erdapfel ein blankgeschrupptes Goldstückchen. Kein Krümelchen Sand oder Dreck ist nach der Waschmaschine zu finden. Stattdessen verströhmt jede einzelne ein chlorigen Geruch. Ab jetzt sollte man die Goldstückchen nicht mehr ohne Handschuhe anfassen ...



Über endlose Förderbander gelangen die Kartoffeln zum "Fotostudio". In ca. 1 Meter langen Metallboxen wird jede einzelne Kartoffel fotografiert und von einem Computer auf Beschädigungen abgesucht. Alles was nicht den optischen Kriterien des Kunden entspricht soll hier aussortiert werden. Zu groß, zu klein, zu unförmig, zu fleckig, grün, beschädigt ... die Liste ist schier endlos! Leider funktioniert das automatische System aufgrund der runden und teilweise unsymmetrischen Form der Kartoffeln nicht zuverlässig. Nur ein Bruchteile der "schlechten" Kartoffeln wird an dieser Stelle erfolgreich erkannt und aussortiert.


Das Fotostudio
Nach Größe sortiert gelangen die Kartoffeln über weitere Förderbänder zu den einzelnen Arbeitsstationen. Kleine Kartoffeln landen üblicherweise in 2 - 3 Kilo-Portionen im Supermarkt, die mittleren in 15 Kilo Kisten (Einzelverkauf im Supermarkt) und großen hingegen in 20 Kilo Säcken.
Zu groß für die Maschinen
Am Sortiertisch angelangt, werden die Kartoffeln per Hand aussortiert. Unzählige Kartoffeln "tanzen" über ein spezielles Förderband, welches jede einzelne Kartoffel zum rotieren bringt. Auf den ersten Blick ist der Sortiervorgang für Außenstehende nicht nachvollziehbar. Neben den offensichtlichen Mängeln (grün, beschädigt etc.) werden bei der Premiumkategorie Kartoffeln ohne offensichtliche Mängel aussortiert. Welche genau ist von der Person am Sortiertisch abhängig, verrieten mir mehrere "Grader". Je nach Teamleiter, Laune und Geschwindigkeit werden unterschiedliche Kartoffeln gewählt.


Am Ende landen alle "guten" Kartoffeln im Hopper (Sammelbox) vor der jeweiligen Verpackungsmaschine. Abgewogen und in Säcke oder Kisten verpackt (wie im letzten Post schon beschrieben) verlässt die Kiste bzw. der Kartoffelsack die Maschine und wird dann per Hand auf eine Palette gestapelt. 54 Säcke auf 9 Lagen oder knapp 1,1 Tonnen pro Palette. Kurze Zeit später wird die Palette mit Klebeband umwickelt, bekommt ein Etikett und verschwindet fürs erste im riesigen Kühlraum der Fabrik. Mit eintreffen der Supermarkt-LKW gehen die Kartoffeln auf die Reise ins Logistikzentrum und werden aif die einzelnen Supermärkte verteilt.

Aber was passiert mit den aussortierten Kartoffeln? Pro Sortiervorgang landen ca. 20 - 30 % im Aus. Auf dem Feld, im Fotostudio und am Sortiertisch ... eine gigantische Menge Kartoffeln und mindestens die Hälfte davon absolut ok. Direkt neben der Station B11 befindet sich die Sammelbox für die aissortierten Kartoffeln. Knapp alle 10 Minuten spuckt die Maschine über eine Tonne Kartoffeln aus, teilweise sogar alle 5 Minuten.

Alles "Ausschuss"


Was für den Supermarkt nicht gut genug ist, ist für Schweine ein gefundenes fressen. Allerdings werden aus den aussortierten Kartoffeln auch Pommes für einen großen Fastfooddealer. In die gewohnte Stäbchenform geschnitten, alles Farbige aussortiert - fertig ist die  Pommes.

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